Corona und die Kinder

Ich bin wütend. Um genau zu sein, stinkwütend. Nun hat mich innerhalb von wenigen Tagen die fünfte Petition erreicht gegen die Maskenpflicht.

Seit Corona werde ich ständig von Bekannten und Freunden dazu aufgefordert, irgendwelche Anträge zu unterstützen, die uns vor unverhältnismäßigen Einschränkungen schützen sollen. Vermutlich haben sie mich gar nicht bewusst dazu eingeladen. Ich war nur zufällig in ihrer Kontaktliste und sie haben ihren Aufruf wahllos an jeden verschickt, den sie kennen. Oder was veranlasst sie, zu denken, dass ich gegen die Maskenpflicht im Schulgebäude unterschreibe, damit unsere Kinder nicht weiter gequält werden? Schließlich waren sie so lange in der sozialen Isolation und nun dürfen sie sich in den Pausen nicht mal ins Gesicht schauen.

In der neuesten Petition wird lang und breit erklärt, dass das Maskentragen und Kontaktverbot unseren Kindern die Kindheit raubt und sie zu kleinen Psychopathen heranwachsen, wenn sie nicht die Mimik ihrer Erzieherin sehen können. Oho! Mir war gar nicht klar, dass alle blinden Kinder einen psychischen Schaden haben.

Im Prinzip geht es in jeder Petition um das Gleiche: Soll sich doch die Risikogruppe endlich selbst schützen und isolieren und unseren Kindern endlich ihre Freiheit lassen.

Ich habe lange dazu geschwiegen, aber ich kann es nicht mehr hören. Dass sich erwachsene Menschen in ihrer Freiheit beraubt fühlen, weil sie in der Öffentlichkeit einen Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Und dass immer wieder erwartet wird, dass das Leben normal weitergehen soll und diese verdammte Risikogruppe sich mal nicht so wichtig nehmen und gefälligst im Haus bleiben soll. Schließlich brauchen unsere Kinder Freiheit und Kontakte. Und vor allem nicht diesen grausamen dünnen Stofflappen im Gesicht, an dem sie zu ersticken drohen. Und überhaupt, wie soll ein sechsjähriges Kind verstehen, dass es so etwas tragen muss?

Hm. Keine Ahnung. Ich fand es damals auch schwierig, meinen Sohn nach der Transplantation an den Mundschutz zu gewöhnen. Aber wir haben das trotzdem geschafft. Nun ja, er war damals auch schon sechs. Sechs Monate. Tatsächlich ist es unsere Aufgabe als Eltern, unseren Kindern beizubringen, was wichtig ist. Wenn dir aber deine Privatparty wichtiger ist, als die Gesundheit der Nachbarn. Klar, wieso sollte dein Kind dann einen Mundschutz tragen, um andere zu schützen.

Vielleicht hilft ein Ausschnitt aus unserem Leben: The Kid ist ein ganz normales Kind. So sieht er sich und so sehen ihn seine Freunde. The Kid trägt einen Mundschutz, um sich zu schützen, aber auch die Oma, die er gerne sehen will.

The Kid trägt keinen dünnen Stoffmundschutz, er trägt einen mit FFP3-Filter. Jeden Tag. Und nicht nur während der Pausen, sondern auch während des Unterrichts, obwohl er gerade erst eingeschult wurde. Und er sagt, er atmet schwerer dadurch und er zieht ihn auch runter, sobald wir das Schulgelände verlasssen haben. Und trotzdem beschwert er sich nicht. Oder zweifelt seine Wichtigkeit an. Er ist einfach nur dankbar, dass es so etwas gibt. Er ist dankbar, dass er trotz der aktuellen Lage überhaupt am Leben da draußen teilhaben kann. Ich sehe mein tapferes Kind und dann bekomme ich wieder so eine Petition zugeschickt und mir kommen die Tränen. Aber es ist wie es ist. Und wir müssen da einfach gemeinsam durch.

Aber Leute, es nervt. Wenn ihr ständig die Masche mit den Kindern bringt. Kinder sind viel anpassungsfähiger, als wir Erwachsenen. Und ja, es ist Scheiße, dass sie sich nicht mehr so unbefangen mit ihren Freunden treffen können und der Lappen im Gesicht nervt auch. Sehe ich alles ein bzw. genauso.

Aber hört doch bitte endlich auf durch Kinder auf die Tränendrüse zu drücken. Geht es euch wirklich um die Kinder? Was ist denn dann mit den ganzen Kindern, die zur Risikogruppe gehören.? Haben die, weil sie ohnehin schon im normalen Leben eingeschränkt sind, die ganze Last zu tragen? Was macht sie weniger zu Kindern als die anderen? Oder geht es wieder um die Norm? Alles was nicht passt, muss sich halt anpassen oder verschwinden. Es gibt verdammt viele Kinder, die zur Risikogruppe gehören. Kinder mit Organerkrankugen, Diabetes, Krebs. Oder meint ihr, die sind es eh gewohnt, die zählen nicht. Was ist mit den Kindern, deren Eltern oder Geschwister zur Risikogruppe gehören? Sollen die den Kontakt zu ihren Eltern abbrechen und ihn eine Pflegefamilie ziehen? Stimmt, wäre ja viel weniger schlimm, als seine Freunde nicht mehr knuddeln zu dürfen.

Woher kommt diese maßlose Arroganz, zu sagen: die denen es ohnehin schon nicht so gut geht, sollen sich gefälligst noch mehr einschränken, weil sie sonst uns zu sehr einschränken. Und wer ist überhaupt „uns“ und „wir“?

Die Risikogruppe macht zwischen 25 und 40 Prozent unserer Gesellschaft aus. Sollen die sich wirklich alle aus dem Leben raushalten, weil es euch zu schwer fällt, eine Maske zu tragen oder den Kindergeburtstag einmal nicht im großen Kreis zu feiern? Was wenn die Lieblingslehrerin eures Kindes zur Risikogruppe gehört? Sein bester Freund? Und ihr das einfach nicht wisst. Oh, die wirst du nun leider nie wieder sehen. Shit happens. Aber hey, das war es doch wert, dafür dass du keinen Mundschutz mehr tragen musst.

Ganz ehrlich. Jeder darf seine Meinung haben. Aber hört auf zu behaupten, es gehe euch um die Kinder.

Auf in den Kindergarten

Kaum zu glauben, the Kid ist kein Baby mehr, ja nicht einmal mehr ein Kleinkind. The Kid geht mittlerweile in den Kindergarten. Natürlich in einen mit Impfpflicht, kleiner Gruppengröße und einem Integrationsplatz. Letzterer ist wichtig, damit auf gründliches Händewaschen geachtet wird und auch sonst unsere hygienischen Ansprüche gewährleistet werden können. Weiterlesen

Zurück aus der Isolation

Ich habe lange nicht mehr geschrieben. Dabei ist in den letzten zwei Jahren nicht wirklich etwas Dramatisches passiert. Zumindest, wenn man es von unserer Situation aus betrachtet. Es gab einige Krankenhausaufenthalte wegen Magen-Darm-Infekten, prärenales Nierenversagen, zwei Operationen (die eine war erwartet, die andere eher nicht), Klinikwechsel und dazwischen auch immer wieder fast so etwas wie Normalität. The Kid geht mittlerweile sogar in den Kindergarten, was sich gar nicht so einfach gestaltet. Aber das ist eine andere Geschichte. Weiterlesen

Raus aus der Isolation

Es klingt zu schön um wahr zu sein. Ein Jahr nach der Transplantation ist das schlimmste vorüber. Heißt es. Wir Eltern haben uns immer vorgestellt, dass nach der ersten Jahreskontrolle mit einem Schlag alles besser ist. Die Immunsuppressiva werden soweit reduziert, dass die Antibiotika abgesetzt werden können. Man darf an ruhigen Tagen mit öffentlichen Verkehrsmitteln fahren, normales Leitungswasser ist auch nicht mehr verboten und sogar Schwimmen gehen wird erlaubt. Das klingt ja fast nach einem normalen Leben. Auf, raus aus der Isolation! Weiterlesen

Gewitter

Vor dem Fenster tobt ein Gewitter, die Bäume biegen sich im Sturm, verlieren mitten im Sommer ihre Blätter, der Regen prasselt gegen die Scheiben und trübt meine Sicht. Als würde das Wetter meine Stimmung widerspiegeln. Es wird sie immer wieder geben: Die Tage, an denen ich keine Ruhe finde, an denen die Last der Sorgen so schwer auf mir liegt, dass ich mir nicht vorstellen kann, dass es jemals besser wird.  Morgen wird der Sturm vorüber sein. Aber meine Sorgen bleiben. Weiterlesen

Horsti und die Keime

The Kid kann jetzt spucken und er hat sein erstes Wort gelernt. So ein Klinikaufenthalt kann also ganz schön spannend sein. Wir haben in dieser einen Woche Kontakt zu so vielen Kindern gehabt, wie im ganzen letzten halben Jahr nicht. Es gab Kindergeburtstage, gemeinsame Spaziergänge, Klinikclowns, Luftballons und Kuchen. The Kid war recht still, was sonst nicht unbedingt seine Art ist, hat beobachtet, gelernt und gestaunt.

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Zu Risiken und Nebenwirkungen

Nun geht es also mal wieder in die Klinik. Es graut mir davor. Die Wunden sind noch zu frisch, Ängste kommen wieder hoch. Dabei habe ich selbst um diesen stationären Aufenthalt gebeten, sogar dafür kämpfen müssen, dass wir so bald wie möglich in die Klinik dürfen. Völlig absurd eigentlich. Und widersprüchlich. Wie so vieles in unserer Situation. Es geht mal wieder um die Immunsuppressiva, die ja überhaupt verantwortlich für unsere Isolation sind. Weiterlesen

Verlorene Eltern

Heute bin ich keine starke Mama. Heute bin ich schwach und traurig und und unsagbar wütend. Ich habe einen Anruf erhalten. Ein kleines Mädchen ist gestorben. Sie war sechs Jahre alt. Ein fröhliches kleines Mädchen, das gerne rosa Kleider trug und, als ich sie vor ein paar Wochen das letzte Mal traf, mit ihren Puppen und Teddys gespielt hat und erzählt hat, dass sie später mal Ärztin werden will.

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