Auf in den Kindergarten

Kaum zu glauben, the Kid ist kein Baby mehr, ja nicht einmal mehr ein Kleinkind. The Kid geht mittlerweile in den Kindergarten. Natürlich in einen mit Impfpflicht, kleiner Gruppengröße und einem Integrationsplatz. Letzterer ist wichtig, damit auf gründliches Händewaschen geachtet wird und auch sonst unsere hygienischen Ansprüche gewährleistet werden können.

Ich war mir eigentlich sicher, dass es mir schwerfallen würde, nach all den Jahren die Verantwortung abzugeben, wenn auch nur für ein paar Stunden täglich.Würde the Kid nicht doch ständig die Finger in den Mund stecken? Was, wenn die Erzieherinnen vergaßen, ihn daran zu erinnern, seine Medikamente zu nehmen?

Doch es fiel mir bereits am ersten Tag erstaunlich leicht. Ich wusste, dass jeden Abend die Putzfrau den Kindergarten putzt, die Eltern sich mit dem wöchentlichen Desinfektionsdienst abwechseln, die Gruppe übersichtlich ist, die Erzieherinnen aufmerksam.

Ich ließ the Kid also am ersten Tag ohne mich seine ersten Erfahrungen im Kindergarten machen und kaufte mir währenddessen ein Stück Tiramisu. Das Wasser lief mir im Mund zusammen. Was für eine Vorstellung: Mitten am Tag, ein sahniges, sündiges Stück puren Zuckers zu genießen. Nicht heimlich hinter der Küchentür schnell einen Schokoriegel (sehr kaliumreich) in den Mund stopfen. Nein, sich auf das Sofa setzen und einfach nur genießen. Zuhause angekommen, habe ich dem ganzen noch die Krone aufgesetzt und mitten am Tag den Fernseher angeschaltet. Warum? Einfach, weil ich es konnte.

Es war ein unvergessliches Erlebnis. Purer Genuss, an Dekadenz grenzend. Ich wurde fast übermütig. Vielleicht sollte ich das häufiger machen? Mir in den zwei Stunden, in denen the Kid im Kindergarten ist, einfach etwas gönnen, bevor mich die Normalität wieder im Klammergriff hat.

Nun, die Normalität hat mich natürlich schnell eingeholt. Schon am nächsten Tag hatte ich einen der Arzt- und Vorsorgetermine, die ich die Jahre zuvor ständig verschoben hatte. Schnell vom Kindergarten aus hingeeilt, um prompt ein paar Minuten zu spät zu kommen. Zwischen die Termine wurden die Telefonate gequetscht. Wunderbar, geschäftliche Gespräche führen zu können, ohne dass eine Kinderstimme dazwischenruft: „Mama, dein BH ist gerade weggeflogen“ (vom Wäscheständer wohlgemerkt. Aber möchte das Herr Prof. Schirmherr am anderen Ende der Leitung wirklich wissen?). Dennoch, zwischen den Terminen fanden sich immer wieder ein paar Minuten für ein köstliches Sahneteilchen. Die schmecken übrigens auch im Bus gut, allerdings sollte man sich dann einen kleinen Löffel mitnehmen. Auf die Hand kann das ganze eine ziemliche Sauerei werden. Aber wozu gibt es schließlich Feuchttücher?

Und dann waren die ersten sechs Tage um, und the Kid hatte seinen ersten Infekt. Zwei Wochen lang. Und so folgen auf vier Tage Kindergarten manchmal 21 Fehltage. Aber das wird schon. So geht es ja teilweise auch normalen Kindern im ersten Kitajahr, habe ich mir sagen lassen.

Allerdings hapert es mit der Hygiene im Kindergarten doch mehr, als ich gehofft hatte. Zunächst habe ich mich nur gewundert, als the Kid nach dem Händewaschen plötzlich ganz schnell wieder in der Küche stand. Aber ich fragte nicht nach. Ich möchte ihm ja schließlich soviel Eigenverantwortung wie möglich überlassen. Als sich das Ganze allerdings wiederholte, konnte ich nicht anders und fragte schließlich doch nach: „Hast du die Hände auch wirklich gründlich gewaschen?“ The Kid antwortete strahlend: „Ja, Mama. Ich kenne jetzt einen Trick von den anderen Kindern: Ich wasche die Hände ohne Seife. Das geht viel schneller.“

Nun, ich habe das Ganze jetzt noch mehr vereinfacht. Ich kenne nämlich einen noch besseren Trick. The Kid findet ihn klasse und ich kann mir auf dem Weg zum nächsten Termin mein Tiramisu gönnen, ohne Horrorszenarien von dreckverschmierten kleinen Kinderhänden vor Augen zu haben: Im persönlichen Kindergartenfach von the Kid steht jetzt ein Öko-Desinfektionsmittel für die Hände. Da kann man die Hände nicht nur ohne Seife waschen, sondern sogar ohne Wasser.

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